Frauen, Leistungsdruck und die stille Gesundheits­krise

Sonja Puma mit dem Zitat "Nur weil du funktionierst, heißt das nicht, dass es dir gut geht".

Das Wichtigste in Kürze

Von chronischem Stress über Autoimmunerkrankungen bis zur Epigenetik — was Frauen im Arbeitsleben wirklich belastet, warum das kein persönliches Versagen ist, und wie wir gesundheitlich gegensteuern können.

Die Zahlen, die niemand hören will

1/3 aller Frauen in DE erleben extremen Stress
60 % mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen als Männer
233 Fehltage je 100 Versicherte bei Frauen (Depressionen)
60 % der Frauen in Führung fühlen sich ausgebrannt

Quellen: TK-Stressstudie 2021; DAK-Psychreport 2025; McKinsey/LeanIn: Women in the Workplace 2024

Das sind keine Randphänomene. Das ist eine strukturelle, biologische und gesellschaftliche Krise — und sie hat ein Gesicht: das Gesicht der berufstätigen Frau.

Ob angestellt oder selbstständig, ob Angestellte im Gesundheitswesen oder Unternehmerin, ob Mutter oder kinderlos — die Last ist real, sie ist messbar, und sie schlägt sich im Körper nieder.

Dieser Artikel erklärt, warum. Und was wir dagegen tun können.

Was Frauen im Arbeitsleben anders erleben

Das System wurde nicht für uns gebaut

Die moderne Arbeitswelt ist historisch für einen Typus Mensch designt worden: den Mann ohne Fürsorgeverpflichtungen, mit einer Frau zu Hause, die alles andere erledigt. Dieser Realität entsprechen weniger als 5 % aller Haushalte in Deutschland heute noch. Dennoch sind die Strukturen, die Karrierewege, die Meetings und die Bewertungsmaßstäbe vielfach unverändert geblieben.

Was das für Frauen bedeutet, lässt sich in drei Worten zusammenfassen: permanente Doppelbelastung.

Frauen leisten laut Bundesministerium für Familie mehr als 50 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer — den sogenannten Gender Care Gap. Sie planen, organisieren, erinnern, antizipieren, koordinieren. Dieser Mental Load ist unsichtbar, er erschöpft aber messbar das kognitive und emotionale System. Und er hört nicht auf, wenn das Büro schließt.

Wissenschaftlicher Befund: Der Mental Load bei Frauen verringert sich nicht automatisch, wenn der Partner oder die Kinder aktiv mithelfen. Er verringert sich erst, wenn diese Aufgaben wirklich eigenverantwortlich übernommen werden — ohne Aufforderung, ohne Anleitungsbedarf. Bis dahin bleibt die Steuerungsverantwortung bei der Frau.

Die unsichtbare Prüfung im Berufsalltag

In Führungspositionen und auf dem Weg dorthin kommt eine weitere Schicht hinzu: Frauen müssen ihre Kompetenz kontinuierlicher beweisen als männliche Kollegen. Die Fehlertoleranz ist geringer, die Prüfung durch Vorgesetzte, Kunden und Teams intensiver. Das ist kein Gefühl — das ist Forschungsbefund.

26 % bewerten ihr psychisches Wohlbefinden als schlecht
35 % Stresslevel höher als im Vorjahr
38 % erhalten angemessene Unterstützung

Quelle: Deloitte Women at Work 2025

Für solo-selbstständige Frauen fehlen ähnliche Studien weitgehend — was selbst ein bezeichnender Befund ist. Wer keine Krankschreibung beim Arbeitgeber einreicht, fällt durch die Raster der Gesundheitsforschung. Dabei tragen Selbstständige das volle unternehmerische Risiko, den fehlenden sozialen Rahmen eines Teams, oft keine Urlaubsvertretung — und gleichzeitig häufig noch die familiäre Fürsorgearbeit zu Hause.

Frauen im Gespräch über Gesundheit, Stress und Selbstfürsorge beim Frauenabend in Augsburg

Biologie ist kein Schicksal — aber sie erklärt vieles

Frauen reagieren anders auf Stress

Das ist keine Schwäche. Es ist Biologie — und sie zu kennen ist der erste Schritt zu einem besseren Umgang damit.

Frauen besitzen in bestimmten Hirnregionen (Hippocampus, Amygdala) und in Immunzellen eine höhere Dichte an Glukokortikoidrezeptoren (GR). Diese binden das Stresshormon Cortisol. Eine höhere Rezeptordichte bedeutet: Gleiche Cortisolmengen entfalten eine stärkere Wirkung.

Dazu kommt: Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen erhöht die Rezeptordichte noch weiter und potenziert die Cortisolwirkung. Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) wird bei Frauen schneller und intensiver aktiviert — insbesondere bei sozialem oder emotionalem Stress, also genau bei dem Typ Stress, dem Frauen im Berufsalltag besonders ausgesetzt sind.

Das Ergebnis: höhere und länger anhaltende Cortisolspiegel bei gleicher Stressexposition.

Was chronisch erhöhtes Cortisol im Körper anrichtet

Kurzfristig ist Cortisol lebensnotwendig — es mobilisiert Energie und schärft die Aufmerksamkeit. Aber dauerhaft erhöhte Spiegel sind ein anderes Kapitel:

  • Schlafstörungen und Depressionen — Cortisol blockiert den natürlichen Schlafrhythmus und hemmt die Serotoninproduktion
  • Zyklusstörungen und Fertilitätsprobleme — die chronische Aktivierung der Stressachse hemmt die Produktion von Östrogen und Progesteron
  • Immunsuppression — das Immunsystem wird systematisch herunterreguliert
  • Chronische Entzündungen — durch Cortisolresistenz können entzündliche Prozesse nicht mehr ausreichend gehemmt werden
  • Autoimmunerkrankungen — Hashimoto, Lupus, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Zöliakie, Morbus Crohn treten bei Frauen signifikant häufiger auf

Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit.

Autoimmunerkrankungen: Wenn der Körper sich selbst angreift

Frauen haben trotz der immunsuppressiven Wirkung von Cortisol ein signifikant höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen. Die Psychoneuroimmunologie — das Forschungsfeld, das Psyche, Nervensystem und Immunsystem zusammendenkt — liefert dafür zunehmend klare Belege.

Chronischer Stress führt zu einer Dysregulation der Immunantwort: Entzündungsreaktionen werden nicht mehr ausreichend rückreguliert. Proinflammatorische Botenstoffe wie Interleukin-6 bleiben dauerhaft erhöht. Die HPA-Achse erschöpft sich mit der Zeit — Cortisol, das eigentlich entzündungshemmend wirkt, wird nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert.

Interessant: Immunologische Muster bei Autoimmunerkrankungen gleichen in auffälliger Weise den Befunden bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Beide zeigen veränderte Immunzellgenexpression, beschleunigte Immunzellalterung und eine gestörte Funktion der HPA-Achse.

Ein Hinweis darauf, dass anhaltende Belastung — ob akutes Trauma oder chronischer Alltagsstress — im Körper ähnliche Signaturen hinterlässt.

Epigenetik — was wir in unseren Zellen tragen

Stress schreibt sich in die DNA

Hier wird es für viele überraschend: Stress verändert nicht nur, wie wir uns fühlen. Er verändert, wie unsere Gene abgelesen werden. Das ist das Kernthema der Epigenetik.

Epigenetik beschreibt Veränderungen der Genaktivität, die nicht durch Mutationen der DNA-Sequenz entstehen, sondern durch chemische Markierungen auf ihr — vor allem durch sogenannte DNA-Methylierung und Histonmodifikationen. Diese Markierungen werden durch Umweltfaktoren beeinflusst: durch Ernährung, Bewegung, Schlaf, Toxine — und durch Stress.

Chronischer Stress führt nachweislich zu epigenetischen Veränderungen in Genen, die das Immunsystem, das Hormonsystem und das Stressreaktivsystem selbst regulieren. Das bedeutet: Wer dauerhaft unter Druck steht, verändert bildlich gesprochen die Schalter seiner eigenen Biologie — und macht sich anfälliger für genau die Erkrankungen, die wir oben beschrieben haben.

Der transgenerationale Faktor: Was wir von unseren Müttern geerbt haben

Die Epigenetik hat in den letzten Jahren eine noch weitreichendere Entdeckung gemacht: Epigenetische Stressmuster sind vererbbar.

Studien an Holocaustüberlebenden und ihren Kindern sowie an Kriegskindgenerationen zeigen: Die Kinder von Menschen, die extreme Belastungen erlebt haben, weisen messbar veränderte Stresshormonmuster auf — auch wenn sie selbst nie dem ursprünglichen Trauma ausgesetzt waren. Die HPA-Achse funktioniert anders. Das Cortisol-Reaktionsmuster ist verändert. Die Stresstoleranz ist beeinflusst.

Das ist keine Metapher. Das ist Biochemie.

Für berufstätige Frauen heute bedeutet das: Ein Teil unserer Stressreaktivität, unserer Anfälligkeit für Erschöpfung, unserer Neigung, alles selbst zu managen — wurzelt möglicherweise nicht nur in aktuellen Lebensumständen. Er wurzelt in dem, was unsere Mütter, Großmütter, Urgroßmütter gelebt und erlebt haben. Frauen, die nicht aufgehört haben zu funktionieren. Frauen, denen Ruhe als Luxus galt. Frauen, die keine Wahl hatten.

Dieser transgenerationale Faktor ist kein Vorwurf an die Vergangenheit. Er ist eine Einladung, die eigene Erschöpfung mit anderen Augen zu sehen — mit mehr Mitgefühl für sich selbst, und mit dem Wissen: Es ist nicht deine Schuld. Und es kann verändert werden.

Die Arbeitswelt von morgen — was sich ändern muss

New Work: Versprechen und Wirklichkeit

Der Begriff New Work ist in aller Munde: Homeoffice, Vier-Tage-Woche, agiles Arbeiten, neue Führungsmodelle. Er ist mit der Hoffnung auf ein gesünderes, autonomeres Arbeitsleben verknüpft.

Doch Forschende warnen: New Work kann, je nach Gestaltung, auch zu mehr Stress und Erschöpfung führen — wenn Flexibilität ohne klare Grenzen zu ständiger Erreichbarkeit wird, wenn Selbstorganisation ohne ausreichende Struktur in Überforderung kippt, wenn neue Freiheiten neue Unsicherheiten erzeugen.

Für Frauen gilt zusätzlich: Homeoffice kann zwar die Pendlerbelastung senken, verstärkt aber häufig die Vermischung von Berufs- und Fürsorgearbeit. Die physische Grenze zwischen Büro und Zuhause war für viele Frauen auch eine mentale Grenze — die nun fehlt.

Was Frauen wirklich brauchen, ist nicht einfach Flexibilität. Es sind Strukturen, die Fürsorgearbeit sichtbar machen und berücksichtigen. Es ist eine Unternehmenskultur, in der Bedürfnisse — auch körperliche Bedürfnisse wie Zyklusgesundheit — keine Tabus sind. Und es sind Führungskräfte, die selbst als Role-Models für Grenzen und Erholung funktionieren.

Zyklusbasiertes Arbeiten als Zukunftsmodell

Ein Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: Frauen können ihre Leistungsfähigkeit über den Monat hinweg an ihren Hormonzyklus anpassen. Das ist keine mystische Idee — es ist Biochemie.

🌟

Follikelphase (Tag 1–14)

Östrogen steigt, Immunaktivität und analytisches Denken sind erhöht. Ideal für intensive Projekte, Pitches, Entscheidungen.

🌿

Lutealphase (Tag 15–28)

Progesteron dominiert, immunologische Toleranz nimmt zu, Regenerationsbedarf steigt. Ideal für kreative Arbeit, Kommunikation, Reflexion.

Zyklusbasiertes Stress- und Zeitmanagement ist keine Nischenanwendung mehr. Es ist ein evidenzbasierter Ansatz, um die biologischen Ressourcen von Frauen zu respektieren statt zu ignorieren.

Was wir tun können — ein ganzheitlicher Ansatz

Wissen ist der erste Schritt. Handeln ist der zweite. Hier zeigen wir, welche konkreten gesundheitlichen Interventionen bei chronischem Arbeitsstress bei Frauen wirksam sind — wissenschaftlich fundiert, integrativ gedacht.

1. Ernährung als Fundament: Anti-Stress und Anti-Entzündung

Chronischer Stress erhöht den Nährstoffbedarf des Körpers erheblich — gleichzeitig führt er durch Cortisol-induzierten Heißhunger oft zu einer Ernährungsweise, die Entzündungen weiter befeuert. Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen.

Grundprinzipien einer stressadaptiven Ernährung für Frauen:

  • Blutzuckerstabilisierung durch protein- und ballaststoffreiche Mahlzeiten — verhindert Cortisolspitzen durch Unterzuckerung
  • Antientzündliche Lebensmittel — Kurkuma, Ingwer, Beeren, Kreuzblütler, Olivenöl, Nüsse
  • Magnesiumreiche Kost — Magnesium ist der erste Mikronährstoff, der bei Stress verbraucht wird (Dunkelschokolade, Kürbiskerne, Mandeln, Hülsenfrüchte)
  • Fermentierte Lebensmittel für die Darm-Hirn-Achse — Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Miso
  • Ausreichend Protein für die Neurotransmittersynthese (Serotonin, Dopamin brauchen Aminosäuren als Vorstufen)
  • Reduktion von Zucker, Alkohol und hochverarbeiteten Lebensmitteln — alle verstärken Entzündungsreaktionen und destabilisieren den Hormonhaushalt

Tipp: Für Frauen mit Hashimoto oder anderen Autoimmunerkrankungen empfiehlt sich ein speziell auf die Erkrankung abgestimmtes Ernährungskonzept — oft mit Ausschluss von Gluten und Milchprodukten als ersten Schritten.

2. Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) — gezielt, nicht gießkannenmäßig

Pauschalempfehlungen für Nahrungsergänzung helfen selten. Entscheidend ist die individuelle Analyse. Dennoch gibt es eine Reihe von Substanzen, die bei chronischem Stress und den damit verbundenen Erkrankungen bei Frauen besonders gut belegt sind:

Substanz Wirkung bei Stress & Frauengesundheit
Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) Entzündungshemmend, Cortisol-regulierend, neuroprotektiv
Magnesium (Bisglycinat) Nervensystem, Schlaf, Muskelentspannung, HPA-Achse
Vitamin D3 + K2 Immunmodulation, Stimmung, Schilddrüsenfunktion
B-Vitamin-Komplex Neurotransmittersynthese, Energiestoffwechsel, Methylierung
Adaptogene (Ashwagandha, Rhodiola) Cortisolsenkung, Stresstoleranz, adrenale Unterstützung
Zink Immunsystem, Schilddrüse, Hormonsynthese
Vitamin C Nebennierenunterstützung, Antioxidans, Collagensynthese
L-Theanin Entspannung ohne Sedierung, Cortisol-Dämpfung

Omega-3 besonders hervorgehoben: Mehrere Meta-Analysen zeigen, dass EPA/DHA-Supplementierung bei klinisch depressiven Symptomen, bei Entzündungsmarkern (CRP, IL-6) und bei Zyklusbeschwerden signifikante Verbesserungen bringt. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 in der westlichen Ernährung ist chronisch ungünstig (oft 15:1 statt des optimalen 4:1). Eine hochwertige Omega-3-Supplementierung ist eine der am besten belegten Interventionen für die Stressresilienz von Frauen.

3. DNA-Test: Deine genetische Stressblaupause

Nicht alle Frauen reagieren gleich auf Stress — und das hat eine genetische Dimension. Ein DNA-Test kann individuelle Risiken und Besonderheiten im Stoffwechsel sichtbar machen, die für einen personalisierten Ansatz entscheidend sind.

Was ein DNA-Test im Kontext Stress & Frauengesundheit zeigen kann:

  • COMT-Gen: Reguliert den Abbau von Stresshormonen (Adrenalin, Dopamin). Frauen mit bestimmten COMT-Varianten bauen Stresshormone langsamer ab — was sie anfälliger für emotionale Stressreaktionen macht.
  • MTHFR-Varianten: Beeinflussen den Folsäurestoffwechsel und die Methylierung — zentral für Neurotransmittersynthese, Entgiftung und hormonelle Balance.
  • HPA-Achsen-Gene: Varianten in Genen wie FKBP5 oder NR3C1 beeinflussen die Cortisol-Sensitivität und -Regulation.
  • Inflammations-Gene (IL-6, TNF-alpha): Zeigen individuelle Entzündungsneigung — relevant für Autoimmunrisiko.
  • Nährstoffmetabolismus: Absorption und Bedarf von Vitamin D, B12, Omega-3 und weiteren Mikronährstoffen variieren genetisch erheblich.

Der DNA-Test ersetzt keine Diagnose — aber er macht die Supplementierungsstrategie präzise statt pauschal, und er erlaubt ein Ernährungskonzept, das auf die genetische Biologie zugeschnitten ist.

4. Health Tests: Was im Blut wirklich passiert

Neben dem DNA-Test gibt es funktionelle Labortests, die bei chronischem Stress bei Frauen besonders aussagekräftig sind:

  • Cortisol-Tagesprofil im Speichel — zeigt den zirkadianen Rhythmus der Nebennieren; erschöpfte Nebennieren zeigen ein flaches oder invertiertes Profil
  • Schilddrüse vollständig (TSH, fT3, fT4, TPO-AK, Tg-AK) — Hashimoto beginnt oft schleichend und wird bei Frauen unter Stress häufig ausgelöst
  • Entzündungsparameter (CRP, IL-6, Homocystein) — zeigen stille, chronische Entzündungslast
  • Hormonpanel (Östrogen, Progesteron, DHEA-S, Testosteron, FSH, LH) — gibt Aufschluss über die hormonelle Stressfolgelast
  • Vitamin D, B12, Ferritin, Zink, Magnesium — typische Mangelparameter bei chronischem Stress
  • Omega-3-Index — misst den tatsächlichen EPA/DHA-Status in den roten Blutkörperchen; Zielwert >8 %
  • Mikrobiom-Analyse — Darmgesundheit ist direkt mit dem Immunsystem und der Psyche verbunden (Darm-Hirn-Achse)

Diese Tests ermöglichen, von Symptombehandlung zu ursachenorientierter Therapie zu wechseln. Was bei einer Frau als „Depression" präsentiert, kann in Wirklichkeit ein Vitamin-D-Mangel + subklinische Hashimoto + erschöpfte Nebennieren sein — und braucht dann eine andere Antwort als ein Antidepressivum.

5. Körper, Zyklus und Epigenetik: Den Schalter umlegen

Neben Ernährung und Supplementierung gibt es weitere Interventionsebenen, die epigenetisch wirksam sind — also tatsächlich die Art verändern, wie Gene abgelesen werden:

  • Schlaf ist die mächtigste epigenetische Intervention überhaupt. Tiefschlafphasen sind der Zeitraum, in dem das Gehirn sich „resettet" und Entzündungsmarker abgebaut werden.
  • Bewegung — besonders moderate, ausdauerorientierte Bewegung — verändert die Methylierungsmuster an Stressgenen positiv.
  • Atemarbeit und Nervensystemregulation — das parasympathische Nervensystem (Vagusnerv) kann trainiert werden. Tiefe Bauchatmung, Kältereize, Achtsamkeit und Körperarbeit verändern messbar die HRV (Herzratenvariabilität) als Maß für Stressresilienz.
  • Therapeutische Arbeit — die Auflösung von transgenerationalen Mustern braucht oft mehr als Ernährung und Supplements. Traumasensible Therapieansätze, Körpertherapie und systemische Arbeit können epigenetische Stressmuster mittelfristig verändern.

Fazit: Es ist kein persönliches Versagen

Die stille Gesundheitskrise berufstätiger Frauen ist nicht das Ergebnis mangelnder Disziplin, fehlender Resilienz oder falscher Prioritäten. Sie ist das Ergebnis einer Arbeitswelt, die die Biologie von Frauen ignoriert, einer gesellschaftlichen Struktur, die Care-Arbeit unsichtbar macht, und einer Vererbungsgeschichte, die Erschöpfung als Normalzustand einprogrammiert hat.

Die gute Nachricht: Epigenetische Muster sind veränderbar. Die Schalter, die chronischer Stress umgelegt hat, können wieder umgelegt werden — durch die richtigen Nährstoffe, durch gezielte Supplementierung, durch das Verstehen der eigenen genetischen Biologie, durch Schlaf, Bewegung, Grenzen und therapeutische Arbeit.

Das ist kein Luxus. Das ist medizinische Notwendigkeit.

Und es beginnt damit, sich selbst ernst zu nehmen — so ernsthaft, wie du bisher alles andere ernst genommen hast.

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Quellen & Studien

  • DAK-Gesundheit / IGES Institut: Psychreport 2025 — Fehltage durch psychische Erkrankungen
  • Deloitte Global: Women at Work 2025 — Stress und psychisches Wohlbefinden
  • McKinsey & Company / LeanIn.org: Women in the Workplace 2024 — Burnout in Führungspositionen
  • Techniker Krankenkasse: TK-Stressstudie 2021 — Gendervergleich Stresserleben
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Arbeitswelt im Wandel 2025
  • BMBFSFJ: Berufliche Selbstständigkeit von Frauen 2024
  • Springer: Zusammenhänge von Burnout, Geschlechtsidentität und Geschlecht, Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023)
  • DGE/Endokrinologie.net: Dauerstress und Hormongleichgewicht (2018)
  • Thieme: Das gestresste Immunsystem und Autoimmunität (2021)
  • DHZ — Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift: Autoimmunerkrankungen aus Sicht der PNI (2016)
  • natuerlich.thieme.de: Psychoneuroimmunologie: Autoimmunerkrankungen und Stress (2022)
  • Huan Song et al.: Association of Stress-Related Disorders With Subsequent Autoimmune Disease, JAMA (2018)
  • Yehuda R. et al.: Holocaust exposure induced intergenerational effects on FKBP5 methylation, Biological Psychiatry (2016)
  • Meaney MJ: Maternal care, gene expression, and the transmission of individual differences in stress reactivity, Annual Review of Neuroscience (2001)
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