Fachbereich
Dauer
30–60 Min. pro Einheit
Verordnung
Heilmittelverordnung (Arzt)
Was ist eine Dysphagie?
Dysphagie bezeichnet eine Störung des Schluckvorgangs. Betroffene haben Schwierigkeiten, Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel sicher vom Mund in den Magen zu transportieren. Der Schluckakt ist ein hochkomplexer Ablauf aus mehr als 50 Muskelpaaren und fünf Hirnnerven – schon kleine Funktionsstörungen können ernste Folgen haben.
Man unterscheidet die oropharyngeale Dysphagie (Störung im Mund- und Rachenraum) von der ösophagealen Dysphagie (Störung in der Speiseröhre). In der Logopädie in Augsburg liegt der Schwerpunkt klassisch auf der oropharyngealen Form – also auf den Phasen des Schluckens, die durch gezieltes Training beeinflussbar sind.
Eine unbehandelte Dysphagie kann schwerwiegende Folgen haben: Durch Aspiration – also das Eindringen von Speisen oder Flüssigkeit in die Atemwege – steigt das Risiko für eine Lungenentzündung. Zusätzlich drohen Mangelernährung, Dehydrierung und ein deutlicher Verlust an Lebensqualität. Wissenschaftliche Leitlinien zur Diagnostik und Therapie finden sich im AWMF-Register zur neurogenen Dysphagie.
Häufige Ursachen einer Dysphagie
Schluckstörungen treten in jedem Lebensalter auf, besonders häufig jedoch bei neurologischen Erkrankungen und nach operativen Eingriffen im Kopf-Hals-Bereich:
- Schlaganfall – häufigste Ursache; bis zu 50 % der Betroffenen entwickeln eine Dysphagie
- Morbus Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen
- Demenz (v. a. im fortgeschrittenen Stadium)
- Tumoren im Mund-, Rachen- oder Kehlkopfbereich
- Nach Operationen (HNO, Wirbelsäule, Intubation / Langzeitbeatmung)
- Multiple Sklerose, ALS und Hirnverletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)
- Altersbedingte Presbyphagie – nachlassende Muskelkraft beim Schlucken
Warnzeichen: Häufiges Husten oder Räuspern beim Essen, Gefühl, dass Nahrung „stecken bleibt“, feuchte Stimme nach dem Schlucken, unerklärlicher Gewichtsverlust oder wiederholte Lungenentzündungen sollten ärztlich abgeklärt werden. Die Verordnung von Schlucktherapie regelt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Heilmittel-Richtlinie.
So läuft die Dysphagie-Therapie ab
Diagnostik & Befund
Klinische Schluckuntersuchung, Anamnese und Abstimmung mit dem ärztlichen Befund (z. B. FEES).
Funktionelle Therapie
Gezielte Übungen für Zunge, Kehlkopf und Schluckmuskulatur – restituierend, kompensatorisch, adaptiv.
Alltagstransfer
Kostanpassung, Schluckmanöver und Beratung von Angehörigen – für sicheres Essen und Trinken zu Hause.
Ziele der Schlucktherapie
- Sicheres Schlucken wiederherstellen und Aspirationsrisiko senken
- Ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr auf oralem Weg ermöglichen
- Sondenentwöhnung – Rückkehr von PEG oder nasogastraler Sonde zur oralen Kost
- Kräftigung der am Schluckakt beteiligten Muskulatur
- Lebensqualität durch Teilhabe an Mahlzeiten und sozialem Miteinander
Unser Spezialgebiet – Sondenentwöhnung: Im Therapie Zentrum Augsburg begleiten wir Patientinnen und Patienten gezielt beim Übergang von der PEG-Sonde zurück zur oralen Ernährung. Strukturiertes Schlucktraining, Kostaufbau und enge Abstimmung mit Ärzten und Angehörigen bilden dabei das Fundament.
Häufige Fragen zur Dysphagie
Woran erkenne ich eine Schluckstörung?
Typische Anzeichen sind häufiges Husten oder Räuspern während oder nach dem Essen, das Gefühl, dass Nahrung in Hals oder Brust stecken bleibt, eine belegte oder „gurgelnde“ Stimme nach dem Schlucken, deutlich verlängerte Essdauer, Gewichtsverlust oder wiederholte Lungenentzündungen. Bei solchen Symptomen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Wer behandelt eine Dysphagie?
Die Diagnose stellt in der Regel ein HNO-Arzt, Neurologe oder Gastroenterologe – häufig mithilfe einer endoskopischen Schluckuntersuchung (FEES) oder einer Röntgenuntersuchung. Die funktionelle Therapie übernehmen speziell ausgebildete Logopädinnen und Logopäden, oft in enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflege und Diätassistenz.
Kann man das Schlucken wieder trainieren?
Ja. Gerade nach Schlaganfällen, Operationen oder bei Parkinson zeigen gezielte Schluckübungen gute Erfolge. Eingesetzt werden restituierende Verfahren (Kräftigung), kompensatorische Techniken (z. B. Schluckmanöver, Kopfhaltung) und adaptive Maßnahmen (Kostanpassung, angedickte Flüssigkeiten).
Ist eine Dysphagie gefährlich?
Unbehandelt kann eine Dysphagie schwerwiegende Folgen haben: Aspirationspneumonien (Lungenentzündung durch Verschlucken), Mangelernährung und Dehydrierung. Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie reduzieren diese Risiken deutlich.
Übernimmt die Krankenkasse die Schlucktherapie?
Ja. Mit einer ärztlichen Heilmittelverordnung werden die Kosten von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Gesetzlich Versicherte leisten pro Verordnung eine Zuzahlung von 10 % plus 10 €.
Dysphagie-Therapie im Therapie Zentrum Augsburg
In unserer Logopädie-Praxis in Augsburg behandeln erfahrene Logopädinnen und Logopäden Schluckstörungen aller Schweregrade – von leichten Beschwerden nach Operationen bis zu komplexen neurogenen Dysphagien nach Schlaganfall oder bei Parkinson. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sondenentwöhnung: Wir begleiten Sie strukturiert vom Kostaufbau bis zur sicheren oralen Ernährung. Mehr über unser interdisziplinäres Team erfahren Sie auf der Seite Über das Therapie Zentrum Augsburg.
Quellen & weiterführende Informationen
- AWMF-Leitlinie „Neurogene Dysphagie“: Wissenschaftliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie neurogener Schluckstörungen.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Heilmittel-Richtlinie: Gesetzliche Grundlage der Verordnung von Schlucktherapie.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Heilmittelkatalog: Zuordnung von Diagnosen und logopädischen Heilmitteln.
- Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl): Patienteninformationen zu Schluckstörungen und Therapie.
- Deutsche Gesellschaft für Dysphagie (DGD): Fachgesellschaft für Diagnostik, Therapie und Forschung im Bereich Schluckstörungen.