Fachbereich
Dauer
30 / 45 / 60 Min. pro Einheit
Verordnung
Heilmittelverordnung (Arzt)
Was ist Manuelle Lymphdrainage?
Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezielle physiotherapeutische Behandlungstechnik, die den Abtransport von Gewebsflüssigkeit über das Lymphsystem anregt. Mit sanften, kreisenden und pumpenden Grifftechniken – entwickelt u. a. vom dänischen Therapeuten Emil Vodder – werden die Lymphgefäße aktiviert, ohne die Haut stark zu dehnen. Die Behandlung verläuft deutlich leichter und langsamer als eine klassische Massage.
MLD ist das Kernelement der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Die KPE besteht aus vier Säulen: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagierung bzw. medizinische Kompressionsstrümpfe, entstauende Bewegungstherapie und konsequente Hautpflege. Je nach Ödemstadium wird die KPE in zwei Phasen durchgeführt – einer Entstauungsphase und einer anschließenden Erhaltungsphase. In unserer Physiotherapie-Praxis in Augsburg erfolgt die Behandlung durch zertifizierte Lymphtherapeut:innen.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Verordnung von MLD in Deutschland regelt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Heilmittel-Richtlinie. Der Nutzen der KPE ist in der AWMF-S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme wissenschaftlich belegt.
Wann wird Manuelle Lymphdrainage eingesetzt?
MLD und KPE sind indiziert bei einer Vielzahl von Schwellungszuständen – primär bei chronischen Lymphabfluss-Störungen, aber auch bei akuten Ödemen:
- Primäres und sekundäres Lymphödem (z. B. nach Brustkrebs-OP mit Lymphknotenentfernung)
- Lipödem – schmerzhafte, symmetrische Fettverteilungsstörung
- Postoperative Schwellungen nach Gelenk-, Kiefer- oder Bauchoperationen
- Posttraumatische Ödeme nach Sportverletzungen, Distorsionen oder Frakturen
- Phlebo-Lymphödem bei chronisch-venöser Insuffizienz
- Ödeme bei rheumatologischen Erkrankungen (CRPS / Morbus Sudeck)
- Begleitend zur onkologischen Rehabilitation und Prävention
Verordnung: Ihr Haus- oder Facharzt (z. B. Phlebologe, Lymphologe, Onkologe oder Chirurg) stellt eine Heilmittelverordnung aus. Darauf ist die Behandlungsdauer (30, 45 oder 60 Minuten) festgelegt. Die Zuordnung von Diagnose zu Heilmittel regelt der Heilmittelkatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
So läuft eine Behandlung ab
Befund & Vorbereitung
Erhebung von Ödemstadium, Umfangmessung und individueller Behandlungsplan.
Sanfte Grifftechnik
Rhythmische Griffe aktivieren Lymphbahnen – beginnend am Rumpf, dann zu den Extremitäten.
Kompression & Selbstmanagement
Anschließend Kompressionsbandage oder -strumpf, Hautpflege und Anleitung zur Eigentherapie.
Nutzen & Wirkung
- Reduziert Schwellungen durch Anregung des Lymphabflusses und Mobilisation von Gewebsflüssigkeit
- Lindert Schmerzen und Spannungsgefühl in betroffenen Körperregionen
- Verbessert die Beweglichkeit ödematöser Gelenke und Extremitäten
- Fördert die Wundheilung nach Operationen und Verletzungen
- Entlastet das Bindegewebe und beugt Verhärtungen (Fibrosen) vor
- Wirkt beruhigend auf das vegetative Nervensystem und reduziert Stress
Wichtig zu wissen: MLD ist nur ein Baustein der Lymphtherapie. Ohne konsequente Kompression (Bandagierung oder medizinischer Kompressionsstrumpf nach der Behandlung) verpufft der Entstauungseffekt. Die Mitarbeit der Patient:innen – tägliche Hautpflege, Bewegung und das Tragen der Kompression – ist entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Wann ist MLD nicht geeignet?
Nicht bei allen Schwellungen ist eine Manuelle Lymphdrainage indiziert. Absolute Kontraindikationen sind u. a. eine akute tiefe Venenthrombose, eine dekompensierte Herzinsuffizienz, akute bakterielle Infektionen (z. B. Erysipel im Behandlungsgebiet) sowie unbehandelte maligne Tumoren im Lymphabflussgebiet. Bei onkologischen Patient:innen in Nachsorge ist MLD dagegen ausdrücklich erlaubt und häufig fester Teil der Nachbehandlung – die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Häufige Fragen zur Manuellen Lymphdrainage
Wie lange dauert eine MLD-Behandlung?
Eine Einheit dauert je nach Verordnung 30, 45 oder 60 Minuten. Die Behandlungszeit richtet sich nach Ausdehnung und Schweregrad des Ödems. Eine 60-Minuten-Einheit ist z. B. bei einem Lymphödem beider Beine oder einem großflächigen Rumpf-Ödem üblich.
Übernimmt die Krankenkasse die Lymphdrainage?
Ja. Mit einer ärztlichen Heilmittelverordnung werden die Kosten von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren leisten pro Verordnung die gesetzliche Zuzahlung von 10 % der Kosten plus 10 € Rezeptgebühr.
Wie oft pro Woche sollte Lymphdrainage erfolgen?
In der Entstauungsphase (Phase 1 der KPE) sind häufig tägliche Behandlungen über 3–6 Wochen nötig. In der Erhaltungsphase (Phase 2) reichen oft ein bis zwei Termine pro Woche – kombiniert mit dem konsequenten Tragen eines medizinischen Kompressionsstrumpfes.
Ist Manuelle Lymphdrainage schmerzhaft?
Nein. MLD ist eine der sanftesten Techniken in der Physiotherapie. Die Griffe werden mit sehr geringem Druck ausgeführt – viele Patient:innen empfinden die Behandlung als angenehm und entspannend. Nur bei einem ausgeprägten Lipödem kann die Berührung an druckempfindlichen Stellen unangenehm sein.
Was ist der Unterschied zwischen MLD und KPE?
Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist die Grifftechnik – also die eigentliche Massage-Behandlung. Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) ist das Gesamtkonzept und umfasst zusätzlich Kompression, Bewegungstherapie und Hautpflege. MLD ist ein Bestandteil der KPE, aber nicht deren Gesamtumfang.
Manuelle Lymphdrainage im Therapie Zentrum Augsburg
In der Physiotherapie in Augsburg behandeln zertifizierte Lymphtherapeut:innen unseres Teams nach den Standards der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie. Wir kombinieren MLD mit fachgerechter Kompressionsbandagierung, Hautpflege-Beratung und entstauender Bewegungstherapie. Für Unternehmen bieten wir zudem Betriebliche Gesundheitsförderung mit präventiven Angeboten. Mehr über unser Haus erfahren Sie auf der Seite Therapie Zentrum Augsburg.
Quellen & weiterführende Informationen
- AWMF-S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Lymphödeme: Aktuelle wissenschaftliche Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie zur KPE.
- Deutsche Gesellschaft für Lymphologie (DGL): Fachgesellschaft mit Informationen zu Diagnostik und Therapie lymphologischer Erkrankungen.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Heilmittel-Richtlinie: Gesetzliche Grundlage der Verordnung von Manueller Lymphdrainage.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Heilmittelkatalog: Offizielle Zuordnung von Diagnosen zu MLD-Verordnungen (30/45/60 Minuten).
- Deutscher Verband für Physiotherapie (Physio Deutschland): Patienteninformationen zur Manuellen Lymphdrainage.